Ein Mann, eine Frau, ein Mensch- EIN WORT

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl an einem kalten Wintertag zu unchristlicher Stunde vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden, wobei es doch unter der warmen Decke so gemütlich ist. Wieviele von uns stehen trotzdem auf? Wieviele bleiben liegen?
Früher zählte ich eher zu denen, die der augenblicklichen und kurzfristigen Verführung zum Opfer fielen. Wenn ich einer Verabredung zugesagt hatte, lies ich sie dennoch sausen, sobald sich eine verlockendere Gelegenheit ergab, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verwenden, was es wohl mit der -im Stich gelassenen- Person macht.
Und dabei hätte ich es besser wissen müssen. Als Kind erlebte ich es oft, dass Erwachsene Zusagen nicht hielten, weil ihnen etwas Anderes ( Bequemeres) dazwischen kam.
Und nun war ich selbst so jemand, der wie eine Fahne im Wind weht, sich die vermeintlich schöneren Rosinen herauspickt und sich von seinen spontanen Befindlichkeiten regieren lässt anstelle verlässlich seine Zusagen zu halten.
Bis zu dem Tag als ich lernte, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für meine Handlungen und vorallem für meine Zusagen.
Ich erinnerte mich an einen Sommertag in meiner Kindheit. Meine Eltern waren längst geschieden und ich sah meinen Vater eher selten. Der Zirkus kam in die Stadt. Und Zirkus war etwas Besonderes für uns Kinder. Meine Mutter besorgte Karten, damit unser Vater mit uns dorthin gehen kann. Sie selbst war rund um die Uhr arbeiten, um uns ein Leben zu bieten, in dem es uns an nichts Materiellem fehlt.
Am herbeigesehnten Zirkus-Tag machte sie mich und meine Schwester zum Ausgehen hübsch. Wir warteten in Vorfreude auf unseren Papa. Wir warteten und warteten.....
Er ist nie erschienen.
Er hatte unsere Verabredung schlichtweg vergessen, denn er hatte zu diesem Zeitpunkt eine neue Freundin. Er zog es vor, eine schöne Zeit mit ihr zu verbringen.
Will ich meinen Vater schlecht machen? Nein. Keineswegs. Er hatte seine berechtigten Gründe und Prioritäten.
Heute als erwachsene Frau kann ich es problemlos akzeptieren.
Durch diese Erinnerung wurde meinen Kindern und meinen Freunden ein wertvolles Geschenk gemacht:
Sie können sich auf mein Wort verlassen!
Wenn ich Entscheidungen und Zusagen treffe, gebe ich mein bedingungsloses JA. Ich akzeptiere für mich selbst kein Vielleicht.
Bei allem, was ich tue, bedenke ich den Leitsatz 'Leben ist Energie.' Mein Leben ist das Ergebnis meiner Gedanken,Entscheidungen und Handlungen, auch dieser, welche ich unterlasse.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit jeder Zusage die ich einhalte, mein Wert erhöht wird.
Sollte jemals jemand über mich sagen: " Dee ist ein unzuverlässiger Mensch." weiß ich, dass ich versagt habe.

Wenn wir uns nicht auf uns selbst verlassen können, werden wir unvermeidlich zum rollenden Stein. Dann rollen wir durchs Leben, picken mal hier etwas vom Kuchen, mal da...., aber wir werden nirgendwo wirklichen Respekt erfahren. Ich glaube fest daran, dass trotz Mangel an Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Integrität und Höflichkeit in unserer Gesellschaft, die Menschen sich insgeheim umso mehr nach diesen Werten sehnen.
Wir haben alle ein Gespür dafür, wem wir folgen würden, wenn es darauf ankommt.
Eine gute Frage ist: Würde ich mir selbst gerne folgen?

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